'FT': Citigroup streckt Fühler wieder nach Europa aus
LONDON (dpa-AFX) - Die US-Großbank Citigroup
streckt nach ihrer Rettung in der Finanzkrise laut einem Pressebericht wieder die Fühler nach Europa aus. Das Institut wolle auf dem Alten Kontinent wieder ein schlankes Geschäftsstellennetz für das Privatkundengeschäft etablieren, berichtet die 'Financial Times' (FT/Freitag) unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld der Bank. Die US-Regierung hatte die Citigroup in der Krise mit kräftigen Finanzspritzen vor dem Untergang gerettet. Im Gegenzug musste das Unternehmen sein Engagement im Ausland zusammenstreichen.
'In Zukunft werden wir wichtige Städte in Westeuropa erschließen', zitiert die Zeitung eine mit dem Plan vertraute Person. '2011 ist ein möglicher Zeitpunkt dafür.' Analysten zufolge dürfte die Citigroup für ihren erneuten Anlauf in Europa sowohl Großbritannien und Frankreich als auch Deutschland auf dem Zettel haben.
Erst im Sommer hatte Citigroup-Chef Vikram Pandit die neue Strategie des Konzerns für das Privatkundengeschäft vorgestellt. Demzufolge will die Bank ihr Filialnetz künftig auf etwa 100 Städte in der ganzen Welt konzentrieren. Damit richtet sie sich an Kunden, die ständig auf Reisen sind und weltweit den Service ihrer Bank in Anspruch nehmen wollen. Die 'FT' zitiert Banker mit der Aussage, dass 10 bis 15 dieser 100 Städte in Westeuropa liegen dürften.
Auch in Osteuropa solle die neue Strategie dem Bericht zufolge greifen. In Polen, wo die Citigroup derzeit 200 Filialen betreibt, solle das Geschäft künftig auf die Hauptstadt Warschau und möglicherweise eine oder zwei andere Städte konzentriert werden.
Bankchef Pandit hat die Citigroup nach dem Beinahekollaps während der Finanzkrise komplett neu sortiert und im Wesentlichen auf das klassische Bankgeschäft zurechtgestutzt. Allzu risikoreiche Geschäftszweige verkaufte er oder stampfte sie gleich ganz ein.
Die Citigroup galt einst der Stolz der New Yorker Finanzwelt und war eines der größten Geldhäuser der Welt. In der Krise hatte sie sich jedoch wie viele Konkurrenten am US-Hypothekenmarkt verhoben. Der Steuerzahler musste die Wall-Street-Größe mit insgesamt 45 Milliarden US-Dollar stützen und erhielt dadurch zeitweise die Kontrolle über das Haus./stw/fn/tw
Quelle: dpa-AFX
