US-Börsen: Dow Jones rutscht unter 10.000 Punkte
Die Wall Street ist angeschlagen: US-Jobdaten verfehlen die allzu optimistischen Erwartungen der Investoren gründlich und verderben den Anlegern die Hoffnung auf einen entspannten Wochenausklang. Auch aus Ungarn droht neues Ungemach für die Weltkonjunktur.
Der Dow Jones fiel um 2,4 % auf 10.012 Punkte. Zeitweise hatte er bei 9988 Punkten notiert. Der breiter gefasste S&P 500 büßte ebenfalls 2,3 % auf 1077 Zähler ein. Der Nasdaq Composite gab um 2,2 % auf 2253 Stellen nach.
Als Höhepunkt der Datenwoche war der US-Arbeitsmarktbericht von den Anlegern mit Spannung erwartet worden. Die Zahlen verfehlten die optimistischen Erwartungen vollständig und nährten bei den Anlegern ernste Zweifel an der Robustheit des konjunkturellen Aufschwungs. Nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington stieg die Zahl der Beschäftigten im Mai um 431.000. Allerdings wurden 411.000 von ihnen allein wegen einer Volkszählung und deshalb nur vorübergehend angestellt.
"In der Summe wird man gespannt auf die weiteren Entwicklungen am Arbeitsmarkt blicken müssen - und sollte dabei mögliche Revisionen der heute gemeldeten Zahlen im Auge behalten", schrieb Nord/LB-Analyst Tobias Basse. Die Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt seien "als prinzipiell nicht negativ zu werten", so Basse. "Unserer Auffassung nach besteht auch weiterhin durchaus Grund zu einem gewissen Optimismus."
Auch die Schuldenkrise in Europa und die in diesem Zusammenhang stets bemühte Formel von den Angst vor deren Ausweitung ließen der Wall Street keine Chance auf Fortsetzung der jüngsten Gewinnserie: Diesmal sah sich Ungarn veranlasst, vor einen unerwartet großem Haushaltsdefizit zu warnen. Es könnte nach Schätzungen der Regierungspartei mit bis zu 7,5 % rund doppelt so hoch sein wie bislang angenommen - der Vergleich mit der Lage Griechenlands spukte umher. Analysten gehen allerdings von einem geringeren Defizit von etwa 5 % aus und halten den Vergleich zu Griechenland nicht für nachvollziehbar.
Einzelwerte gerieten angesichts dieser Nachrichten in den Hintergrund: Die Furcht vor einer Abschwächung der Weltkonjunktur belastete den Rohstoffmarkt: Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Marke WTI zur Auslieferung im Juli gab um 2,6 % auf 72,69 $ nach. Das Papier von Exxon büßte 1,5 % ein. Auch die an der New York Mercantile Exchange notierten Metalpreise fielen und belasteten Alcoa- und US-Steel-Anteile, die 3 und 3,5 % verloren. Den Stahlkonzern belastete zusätzlich eine pessimistische Analyse der Experten von Goldman Sachs.
Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
