Einst weltgrößte Bank: Citigroup überrascht Pessimisten
Das krisengebeutelte Geldhaus übertrifft mit einem Milliardengewinn die Prognosen deutlich. Ein starkes Kapitalmarktgeschäft gleicht dabei die weiter herben Verluste bei Krediten aus. Investoren reagieren erfreut.
Die US-Bank Citigroup hat im ersten Quartal einen Nettogewinn von 4,4 Mrd. $ erwirtschaftet und damit die Erwartungen deutlich übertroffen. Es war das höchste Ergebnis seit dem zweiten Quartal 2007. Je Aktie fiel ein Gewinn von 15 Cent an; die Einnahmen lagen bei 25,4 Mrd. $.
Citigroup profitierte wie die Konkurrenz vom starken Kapitalmarktgeschäft. Das Segment Securities and Banking steigerte den Gewinn von 328 Mio. $ im Vorquartal auf 3,2 Mrd. $. Stark entwickelte sich vor allem das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren.
Im Kreditgeschäft verzeichnete das einst weltgrößte Geldhaus eine leichte Erholung, auch wenn hier weiter hohe Belastungen anfallen. Die Verluste lagen mit 8,4 Mrd. $ unter den knapp 10 Mrd. $ vom Vorquartal. Die Rückstellungen für faule Kredite beliefen sich auf 8,4 Mrd. $ und fielen damit höher aus als in den drei Monaten zuvor, als sie bei 7,8 Mrd. $ gelegen hatten. Insgesamt erreichte die Risikovorsorge 48,7 Mrd. $, das sind 6,8 Prozent des gesamten Bestandes. Im Schlussquartal 2009 hatte der Wert noch bei 36 Mrd. $ oder knapp über 6 Prozent gelegen.
Bankchef Vikram Pandit zeigte sich zurückhaltend. "Wir sind stolz auf die Ergebnisse des ersten Quartals, bleiben aber angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Erholung und der hohen Arbeitslosigkeit vorsichtig, was das Umfeld angeht", sagte er. Der langfristige Ausblick sei zwar positiv, so Pandit. Er warnte aber indirekt auch vor Rückschlägen. "Realistischerweise erwarten wir nicht, dass sich unsere Leistung beständig nach oben entwickeln wird."
Die Aktie kletterte nach Handelsstart um mehr als vier Prozent. Dabei wurden Bankaktien am Montag durch die Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen das Wall-Street-Haus Goldman Sachs stark belastet. Die Aufseher werfen Goldman Betrug im Zusammenhang mit komplexen Finanzinstrumenten vor.
Vom Datendienstleister Bloomberg befragte Analysten hatten für Citigroup im Durchschnitt ein Ergebnis von 340 Mio. $ erwartet. Für die letzten drei Monate des vergangenen Jahres hatte die Bank einen Nettoverlust von 7,6 Mrd. $ gemeldet. Ohne Belastungen aus der Rückzahlung von Staatshilfe hätte der Fehlbetrag allerdings bei 1,4 Mrd. $ gelegen. Vor Jahresfrist war ein Gewinn von 1,6 Mrd. $ angefallen.
Kapitalmarktgeschäft kompensiert Verluste bei Krediten
Zuvor hatten die Konkurrenten JP Morgan Chase und Bank of America bereits mit starken Ergebnissen vorgelegt - getrieben vom Kapitalmarktsegment. Im Kreditgeschäft hingegen, besonders bei Hpyotheken und Eigenheimkrediten, hinterlassen die Folgen der Rezession sowie die Misere am amerikanischen Häusermarkt bei den Geldhäusern tiefe Spuren.
Citigroup gehört zu den Banken, die von der Krise am heftigsten getroffen wurden. Das Institut wurde mit mehr als 45 Mrd. $ an Steuergeld gestützt. Die Regierung hält noch 27 Prozent an dem Geldhaus, will diesen Anteil aber im Laufe des Jahres abstoßen.
Investoren fassten daher Mut, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt: Seit Anfang des Jahres legte das Papier um gut 34 Prozent zu. Mit der SEC-Klage gegen Goldman ist jedoch die Skepsis zurückgekehrt. Investoren erwarten nicht nur ein ähnliches Vorgehen gegen andere Banken, sondern neuen Schwung für Pläne, den gesamten Sektor schärfer zu regulieren - was Erträge und Gewinne drücken dürfte.
Das Geschäft mit problembehafteten Konsumentenkrediten im Heimatmarkt litt im ersten Quartal weiter unter den Folgen der Krise, das Segment dämmte die Verluste aber ein. Nach einem Minus von 2,4 Mrd. $ im Vorquartal fiel dieses Mal ein Fehlbetrag von 1,8 Mrd. $ an. Die Nettokreditverluste legten von 4,6 Mrd. $ im Vorquartal auf 4,9 Mrd. $ zu, dafür bildete die Bank aber weniger neue Rückstellungen. "Die Lage bei Konsumentenkrediten ist immer angespannter, und Citigroup ist dem über das Geschäft mit Kreditkarten und Eigenheimkrediten sehr stark ausgesetzt", warnten Analysten von Bank of America Merrill Lynch jüngst in einer Studie.
Als Reaktion auf die herben Verluste während der Krise spaltete sich Citigroup in zwei Teile auf, die Kernbank Citicorp sowie Citi Holdings, eine Art Bad Bank. Hier sind unter anderem problembehaftete US-Hypotheken und Autokredite gebündelt. Dieser Teil soll schrittweise abgebaut werden, etwa über Verkäufe. Bankchef Pandit kommt damit allerdings nur langsam voran.
Neue Vorgabe bläht Bilanzsumme auf
Von Ende Dezember bis Ende März erhöhte sich die Summe der Aktiva von Citi Holdings sogar von 487 auf 503 Mrd. $. Hintergrund ist allerdings eine Bilanzregel, die die Geldhäuser zwingt, Reserven für Vermögenswerte zu bilden, die sie von nicht-bilanziellen Vehikeln in ihre Bücher transferieren. Diesen Effekt miteingerechnet, seien die Aktiva von 530 Mrd. $ Ende des vierten Quartals auf 503 Mrd. $ gesunken, argumentiert Citigroup.
Besser als das Segment der problembehafteten Konsumentenkredite, das zu Citi Holdings gehört, lief es im Rest des heimischen Privatkundengeschäfts sowie im internationalen Geschäft mit Verbrauchern. Die Sparte verdoppelte ihren Gewinn zum Vorquartal beinahe auf rund 1 Mrd. $.
Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
