Renten und Devisen: Anleger beunruhigt "Titanic-Kurs" Griechenlands
Investoren an den Renten- und Devisenmärkten blicken auch zu Wochenbeginn mit Sorge auf Griechenland. Der Euro rutschte wie schon am Freitag zeitweise wieder unter die Marke von 1,36 $, er verbilligte sich aber nur leicht um 0,003 Prozent. Gegen 19 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,36 $.
Die Wettpositionen spekulativer Anleger gegen den Euro waren vergangene Woche erneut kräftig gestiegen. Nach Angaben der Chicago Mercantile Exchange (CME) nahm die Zahl der Futurekontrakte auf einen sinkenden Euro-Dollar-Kurs auf 63.368 zu - ein Höchststand. "Selbst wenn wir schon bald eine Umkehr der spekulativen Positionen sehen, sollte der Euro noch weiter fallen", sagte Gareth Berry, Analyst bei der UBS. Einer Wende beim Euro sei in den vergangenen sechs Monaten stets eine Positionsänderung an der CME vorausgegangen, sagte er.
Mit Spannung erwarten Investoren, ob die Finanzminister der Euro-Zone am Dienstag weitere Details über Rettungspläne bekannt geben werden. Am Montag tagten bereits die Ressortleiter der EU. "Wir rechnen nicht damit, dass wirklich klar wird, wie Griechenland im Ernstfall geholfen werden könnte", hieß es bei den Analysten der Commerzbank. Die Unsicherheit darüber dürfte den Euro in dieser Woche weiter belasten.
Am Rande der Tagung wurde bekannt, dass die EU vorerst ihren Druck auf Griechenland nicht erhöhen wird, noch mehr zu sparen. Der Vorsitzende der Gruppe der Finanzminister des Euro-Gebiets, Luxemburgs Jean-Claude Juncker, sagte in Brüssel, erst im März solle überprüft werden, ob die Sparschritte der griechischen Regierung ausreichten. Zuletzt hatten Ökonomen gewarnt, dass die Regierung die Ausgaben zu heftig kürzt und damit das Wachstum des Landes zu stark bremsen könnte. Dies würde wiederum die Sparziele gefährden. In diesem Jahr will Athen das jährliche Defizit um 4 Prozentpunkte auf weniger als 9 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Vor der Äußerung Junckers hatten noch einige EU-Politiker weitere Schritte von Athen gefordert. Unter ihnen war auch der EU-Währungs- und Wirtschaftskommissar Olli Rehn.
Zu heftigen Irritationen an den Rentenmärkten führten jedoch Äußerungen des griechischen Finanzministers Giorgos Papakonstantinou. Er verglich die Lage seines Landes damit, den "Kurs der Titanic" zu ändern. Zudem sagte er, das Land sei in einer "fürchterliche Unordnung" und der öffentliche Sektor sei "außer Kontrolle" geraten. Dabei hatte er vor allem die Streikvorbereitungen der Mitarbeiter in Regierungsdienststellen im Blick. Bereits vergangene Woche waren Schulen und Krankenhäuser vorübergehend geschlossen.
Den zweiten Tag in Folge stiegen die Renditen griechischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Am Montag warfen die Bonds mit 6,2 Prozent gut 7 Basispunkte mehr ab als am Freitag. In der Vorwoche war die Rendite noch mit den aufkommenden Meldungen über eine bevorstehende Rettung des Landes gesunken.
Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen stieg somit wieder auf mehr als 300 Basispunkte. Am Abend lag er bei 301 Basispunkten. Die deutsche Rendite auf Zehnjahrespapiere blieb fast auf dem Niveau vom Freitag bei 3,2 Prozent.
Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
