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Konsequenzen aus der Krise: Zerschlagt die Megabanken

News - 13.12.09 09:00

Konsequenzen aus der Krise: Zerschlagt die Megabanken

Um die nächste Finanzkrise zu verhindern, müssen alle Staaten die Regulierung ihrer Banken verschärfen. Doch das allein reicht nicht: Sehr große Institute müssen aufgespalten werden.


Joseph Stiglitz ist Professor an der Columbia University, New York. Er erhielt 2001 den Nobelpreis für Ökonomie.


Es ist eine erbitterte globale Kontroverse im Gange: Welche Regulierungsschritte sind erforderlich, um dafür zu sorgen, dass nicht in ein paar Jahren eine neue Finanzkrise ausbricht? Der Chef der Bank of England, Mervyn King, hat Beschränkungen bei der Art von Geschäften befürwortet, die Megabanken tätigen dürfen. Der britische Premierminister Gordon Brown widerspricht: Northern Rock, die erste britische Bank, die umfiel und Kosten in Höhe von 50 Mrd. $ verursachte, habe schließlich ganz alltägliche Hypotheken vergeben.


Browns Beobachtung legt nahe, dass solche Beschränkungen nicht garantieren, dass es keine weitere Krise gibt; King jedoch hat recht, wenn er verlangt, dass Banken, die zu groß zum Scheitern sind, an die kurze Leine genommen werden müssen. Die USA haben allein dieses Jahr 106 kleinere Banken bankrottgehen lassen - zu geringen Kosten für den Staat. In den meisten Ländern sind die Großbanken für den Großteil der dem Steuerzahler entstandenen Kosten verantwortlich: Megabanken verursachen Megakosten.


Die Krise ist ein Ergebnis mindestens acht klar unterscheidbarer, aber zusammenhängender Versäumnisse:


- Banken, die zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, sind Fehlanreize am Werk: Wenn sie zocken und damit Erfolg haben, stecken sie das Geld ein; wenn sie scheitern, zahlt der Steuerzahler.


- Die Finanzinstitute sind zu stark vernetzt, um sie scheitern zu lassen; der Teil von AIG, der die US-Steuerzahler 180 Mrd. $ gekostet hat, war relativ klein.


- Selbst wenn die einzelnen Banken klein sind: Falls sie - weil sie dieselben Modelle nutzen - ein korreliertes Verhalten an den Tag legen, kann dies systemische Risiken befeuern.




- Die Anreizstrukturen bei den Banken belohnen kurzfristiges Handeln und die Übernahme übertriebener Risiken.


- Bei der Beurteilung ihrer eigenen Risiken lassen die Banken externe Faktoren, die sie (oder ihr Scheitern) anderen aufbürden, unberücksichtigt - ein Grund dafür, dass wir Regulierung brauchen.


- Die Banken haben bei der Risikobewertung schlechte Arbeit geleistet - die von ihnen verwendeten Modelle hatten schwere Fehler.


- Die Anleger, die sich scheinbar noch weniger über die Risiken einer exzessiven Verschuldung im Klaren waren als die Banken, setzten diese enorm unter Druck, übertriebene Risiken einzugehen.


- Die Aufsichtsbehörden, die all dies eigentlich verstehen und systemische Risiken auslösende Handlungen verhindern sollten, haben versagt. Auch bei ihnen gab es fehlerhafte Modelle und Fehlanreize; und viel zu viele ließen sich von denen vereinnahmen, die sie eigentlich regulieren sollten.


Wenn wir mehr Vertrauen in unsere Regulierer und Aufseher haben könnten, könnten wir all die anderen Probleme ein bisschen entspannter betrachten. Doch Regulierung und Aufsicht sind fehlbar, und deshalb müssen wir das Problem von allen Seiten angehen.


Natürlich, Regulierung kostet Geld. Doch die Kosten einer unzureichenden Regulierungsstruktur sind enorm. Die Nutzen einer verstärkten Regulierung überwiegen die erhöhten Kosten bei Weitem.


King hat recht: Banken, die zu groß sind, um sie scheitern zu lassen, sind zu groß, um zu existieren. Und falls sie doch bestehen bleiben, dann im Rahmen eines sogenannten Versorgermodells, also streng reguliert.


Insbesondere führt es zu Verzerrungen auf den Finanzmärkten, wenn man zulässt, dass solche Banken weiter im Eigenhandel tätig sind. Warum sollte man ihnen das Zocken gestatten, wenn für ihre Verluste der Steuerzahler bürgt? Einige Großbanken sind inzwischen (entweder auf eigene Rechnung oder im Kundennamen) in ausreichend großem Umfang am Handel beteiligt, dass sie de facto denselben unfairen Vorteil dabei haben wie jemand, der Insidergeschäfte tätigt. Dies mag ihnen höhere Gewinne eintragen, aber auf Kosten anderer. Das sind verzerrte Wettbewerbsbedingungen, die kleinere Akteure zunehmend benachteiligen.


Das Einzige, worüber sich Ökonomen heute einig sind, ist die Wichtigkeit von Anreizen. Die Bankvorstände wurden für höhere Renditen belohnt - egal, ob diese ein Ergebnis besserer Leistungen oder bloß größerer Risiken waren. Entweder haben die Banker also ihre Aktionäre und Anleger betrogen oder die Beschaffenheit von Risiko und Belohnung nicht verstanden. Vielleicht beides. So oder so ist es entmutigend.


Angesichts des mangelnden Risikoverständnisses der Anleger und der Mängel bei der Corporate Governance hatten die Banker einen Anreiz, es zu unterlassen, gute Anreizstrukturen zu entwerfen. Es ist lebenswichtig, solche Fehler zu korrigieren - auf der Ebene des Unternehmens und der Manager.


Also muss man Institute, die zu wichtig sind, um sie scheitern zu lassen (oder aufzulösen), aufspalten. Wo dies nicht geht, muss man ihr Tun streng begrenzen und ihnen höhere Steuern und Kapitalanforderungen auferlegen, um Chancengleichheit herzustellen.


Aufspaltung und strengere Regulierung sind keine Fragen von Schwarz und Weiß: Je stärker wir die Größe beschränken, desto entspannter können wir in Bezug auf die Einzelheiten der Regulierung sein. Dies muss von verschiedenen Seiten her geschehen: durch Sondersteuern, erhöhte Kapitalanforderungen, eine strengere Aufsicht und Grenzen bei der Größe und Risikoübernahme.


Dieser Ansatz wird Krisen nicht verhindern. Aber er macht sie weniger wahrscheinlich - und weniger teuer, wenn sie denn eintreten.


Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND

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