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News - 07.11.09 08:00

Bedingungen für den Exit: Fed fürchtet den Todesstoß

Die Fed denkt nicht an eine baldige Zinswende, sie sorgt sich um die Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Daher werden die Zinsen wohl noch sechs Monate niedrig bleiben. Erstmals hält die Notenbank aber fest, welche Größen ihren Exit bestimmen.


Sie haben es also doch nicht getan. Anders als von einigen Beobachtern vor der Sitzung spekuliert, haben US-Notenbankchef Ben Bernanke und seine Kollegen in ihrer Erklärung vom Mittwochabend die Formulierung nicht fallen gelassen, der Leitzins müsse noch "für längere Zeit" auf extrem niedrigem Niveau bleiben. Nach verbreiteter Interpretation der Beobachter meint das einen Zeitraum von zumindest sechs Monaten.




"Der Fed ist es für eine Kursänderung offensichtlich noch zu früh", sagt Bernd Weidensteiner, US-Experte der Commerzbank. Viele Volkswirte fühlen sich nun bestätigt, dass die Fed ihren Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2010 anheben wird, vielleicht sogar erst 2011. Die Märkte hatten zuletzt teils auf deutlich frühere Schritte spekuliert.


Die US-Notenbanker sehen zwar, dass die Wirtschaft ihren Einbruch vom Winterhalbjahr überwunden hat und wieder wächst. Zugleich erwarten sie aber vorerst nur eine "schwache" Aktivität. Zudem wissen sie, dass vieles von den Hilfen der Regierung und Fed abhängt - und ein zu früher Ausstieg der Wirtschaft wie in den 30er-Jahren den Todesstoß versetzen kann.




Erstmals hat die Fed nun aber in ihrer Erklärung explizit ausgeführt, welche "wirtschaftlichen Bedingungen" das niedrige Zinsniveau erfordern oder ermöglichen: die niedrige Kapazitätsauslastung, womit sie vor allem die Arbeitslosigkeit meint, gedämpfte Inflationstrends und stabile Inflationserwartungen.


"Sie reagiert damit auf die Spekulationen, sie nähere sich der Kehrtwende", sagt Julia Coronado, Fed-Expertin der BNP Paribas. Die Wirtschaftsdaten signalisierten keinen Handlungsdruck. So brauche es etwa nach dem Einbruch im Winter nicht nur ein oder zwei, sondern mehrere Quartale Wachstum, damit die Arbeitslosigkeit sinkt. Derzeit liegt die Quote bei 9,8 Prozent - und sie steigt weiter.


Zudem hat die Fed den Finanzmärkten nun sehr klar gemacht, auf welche Größen sie schauen müssen. Als entscheidend gilt die Arbeitslosigkeit - zumal die Fed auch den Auftrag hat, für hohe Beschäftigung zu sorgen. Der Verweis auf die Preiserwartungen gilt als Zugeständnis an die Hardliner: Sie sorgen sich, dass das Vertrauen in die Fed als Hüterin stabiler Preise verloren geht.


Nicht explizit in der "Checkliste" der Fed enthalten sind Vermögenspreise und der US-Dollar. Vor der Sitzung hatten einzelne Beobachter gewarnt, die Fed nähre die nächste Finanzblase oder riskiere einen richtigen Absturz des schwächelnden Dollar. Sollten diese Risiken zunehmen, wird die Fed aber trotzdem kaum tatenlos zusehen.


Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND

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