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News - 11.11.09 19:20

ROUNDUP: GM beziffert Finanzbedarf bei Opel auf 3,3 Milliarden Euro

BERLIN/KAISERSLAUTERN (dpa-AFX) - Der US-Konzern General Motors (GM) hat den
Finanzierungsbedarf für die Sanierung von Opel auf 3,3 Milliarden Euro
beziffert. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am
Mittwochabend nach einem Gespräch mit dem neuen Europa-Chef Nick Reilly und
GM-Vize John Smith in Berlin mit. Er erwarte, dass GM die Finanzierung
grundsätzlich selbst aufbringt.

GM wolle 'zeitnah' ein neues Restrukturierungskonzept für Opel vorlegen, sagte
Brüderle weiter. Nach seinen Angaben haben sich die GM-Spitzenmanager für die
'schweren Kommunikationsfehler' nach dem geplatzten Verkauf von Opel an Magna
und russische Investoren entschuldigt. Er habe auf die besondere Verantwortung
von GM für Opel hingewiesen, so Brüderle.

GM WILL WOGEN GLÄTTEN

GM versucht nach der überraschenden Kehrtwende im Opel-Poker, die Wogen zu
glätten und die Verstimmung in der Bundesregierung und bei den Opel-Mitarbeitern
zu beheben. Der US-Autobauer will seine deutsche Tochter Opel selbst sanieren
und dafür bei den Regierungen der Länder mit Opel-Standorten um Unterstützung
werben. Der Konzern will womöglich noch vor Jahresende auch mit der Abzahlung
seiner Schulden an die US-Regierung beginnen.

GM hat laut Brüderle erneut darauf verwiesen, dass sich in den vergangenen
Monaten die Situation verändert habe. Die GM sehe nun größere finanzielle
Spielräume und habe sich für den Verbleib von Opel unter dem GM-Dach
entschieden. Zuvor hatte Brüderle dem GM-Management vorgeworfen, Entscheidungen
zu lange verzögert zu haben. Dabei sei viel Geld verbrannt worden: 'Der Ball
liegt jetzt bei General Motors und nicht in Berlin.' EU-Wettbewerbskommissarin
Neelie Kroes sagte in Brüssel, GM wolle den neuen Plan in Kürze vorstellen.

DETAILS ERST IN EINIGEN WOCHEN

Details über die von GM geplanten Stellenstreichungen in Deutschland sollen erst
in einigen Wochen vorliegen, wie GM-Chef Fritz Henderson am Dienstag erklärte:
'Zuerst müssen wir uns mit den Betriebsräten auf einen Restrukturierungsplan
einigen.' Der Autobauer will 10.000 der 50.000 Stellen in Europa streichen und
die Fixkosten um 30 Prozent senken. Opel hat auch ein Werk in Kaiserslautern.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) forderte
rasch eine Zukunftsperspektive für Opel. 'Es wäre ein gutes Zeichen, wenn es bis
Weihnachten eine Lösung gäbe', sagte er und machte sein Misstrauen gegenüber GM
deutlich: 'Ich will das aber schriftlich haben.' Henderson zog unterdessen die
Drohung zurück, Opel in die Insolvenz zu schicken, wenn die Beschäftigten nicht
zu Zugeständnissen bereit sind. 'Eine Insolvenz ist nicht notwendig und auch
nicht wahrscheinlich.' Die europäischen Opel-Händler sagten GM ihre
Unterstützung bei der Opel-Sanierung zu. Geld wollen sie nach dem geplatzten
Verkauf an Magna aber nicht mehr bereitstellen.

OPEL INTERNATIONALISIEREN

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte der dpa, er halte den
Verkauf von Opel-Modellen in Russland, Asien und sogar den USA für möglich. Dass
Henderson Opel als starke Regionalmarke ansehe, bezeichnete er als positiv.
Damit bleibe Opel in Europa bestehen. 'Wir kennen Planspiele, Opel in Europa
durch Chevrolet zu ersetzen.' Opel sei in Russland beliebt und könne auch im
asiatischen Markt punkten. Da GM in den USA keine kleinen Autos wie den Corsa,
Astra oder Zafira anbiete, ließen sich solche Modelle auch dort verkaufen.

Für Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ist die Möglichkeit, Opel in eine
Aktiengesellschaft umzuwandeln, nicht vom Tisch. GM-Chef Henderson sei für diese
'Gedanken offen', sagte Franz in einem Interview mit Maybrit Illner für
ZDFonline. Franz zeigte zugleich Verständnis dafür, dass Staatshilfen für Opel
nach dem geplatzten Verkauf an Magna nicht selbstverständlich seien. 'Wenn die
Mutter kommt und nicht abgeben möchte, dann muss sie auch für die Tochter
sorgen', sagte er. General Motors müsse nun die Finanzierung sicherstellen.

Verwaltungsratschef Edward Whitacre sieht GM unter Druck, die Milliardenkredite
so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Der größte US-Autobauer steht beim
amerikanischen Staat mit 6,7 Milliarden Dollar an direkten Krediten in der
Kreide. Insgesamt bekam er Hilfen von 50 Milliarden Dollar, für den Großteil
erhielt der Staat im Gegenzug Anteile an GM. Whitacre verteidigte die
Entscheidung, das Europa-Geschäft rund um Opel zu behalten. 'Wie kann man ein
'global player' sein, ohne weltweit tätig zu sein?' Wann GM wieder Geld
verdient, ließ er offen: 'Ich sehe das kommen, kann aber kein genaues Datum
versprechen.'/sl/hs/tb/fd/DP/dct

Quelle: dpa-AFX

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